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DIE AYURVEDISCHE KONSTITUTIONSLEHRE

DIE AYURVEDISCHE KONSTITUTIONSLEHRE

Doshas verstehen, ohne dich in starren Labels zu verlieren

 

Vielleicht hast du schon einmal einen „Ayurveda-Typen“-Test gemacht und bist dabei auf die Begriffe Vata, Pitta und Kapha gestoßen?

Auch ich war neugierig und habe vor meiner Ayurveda-Ausbildung mehrere Tests gemacht. Was zunächst Orientierung gab, wurde mit der Zeit widersprüchlich – je nach Lebensphase erhielt ich unterschiedliche Ergebnisse.

 

Heute weiß ich: Die ayurvedische Konstitutionslehre ist deutlich mehr als eine Einteilung in Typen.

 

Ayurveda ist das traditionelle indische Medizinsystem, das Gesundheit nicht als statischen Zustand versteht, sondern als ein dynamisches Gleichgewicht von Körper, Geist und Bewusstsein. Dieses Gleichgewicht steht immer im Zusammenhang mit der individuellen Konstitution (Prakruti) eines Menschen und den äußeren Einflüssen seiner Umwelt.

In vielen Bereichen lassen sich Parallelen zwischen Ayurveda und der westlichen Medizin erkennen, etwa in der Physiologie und Anatomie des Körpers. Gleichzeitig unterscheidet sich Ayurveda an entscheidenden Stellen von der Biomedizin.

Ein zentraler Schwerpunkt des Ayurveda liegt beispielsweise in der Prävention. Nicht erst manifeste Krankheit steht im Fokus, sondern das frühzeitige Erkennen von Dysbalancen, das Abweichen von deiner individuellen Konstitution (Vikruti) – oft lange bevor deutliche Symptome auftreten. Genau hier liegt eine besondere Stärke des Ayurveda.

Die ayurvedische Konstitutionslehre bietet dafür einen klaren Bezugsrahmen. Sie beschreibt, wie körperliche und geistige Funktionen organisiert sind, wie sie auf Reize reagieren und wie sich Ungleichgewichte entwickeln können.
Sie hilft zu verstehen, warum unterschiedliche Menschen auf dieselben Reize – etwa Stress, Nahrung, Klima oder Lebensphasen – so unterschiedlich reagieren.

Die Doshas als Grundlage der ayurvedischen Konstitutionslehre

 

Die Doshas Vata, Pitta und Kapha bilden die zentrale Theorie der ayurvedischen Konstitutionslehre. Sie beschreiben funktionelle Zusammenhänge, anhand derer körperliche und geistige Funktionen sowie Dysbalancen verstanden werden.

Die Doshas finden sich im Ayurveda unter anderem in:

– der Diagnostik
– der Physiologie (Körperfunktionen)
– der Pathogenese (Entstehung von Krankheiten)
– allen therapeutischen Ansätzen
– der Wirkung von Lebensmitteln, Kräutern und Anwendungen
– der Einordnung von Tages- und Jahreszeiten, Klima, Emotionen und Lebensphasen

Die Doshas Vata, Pitta und Kapha ermöglichen eine ganzheitliche Betrachtung von Gesundheit und Dysbalance. Dabei dienen sie nicht in erster Linie der Einteilung von Menschen in feste Typen, sondern als Werkzeuge zur Beobachtung und Einordnung funktioneller Abläufe – immer im Kontext der individuellen Konstitution und des sich ständig verändernden Zusammenspiels mit der Umwelt.

Die drei Doshas – ein Einblick in ihre körperlichen Wirkbereiche

Jeder Mensch besteht immer aus allen drei Doshas. Nur ihre individuelle Mischung unterscheidet uns.

Sind alle drei Doshas im Gleichgewicht, sind wir gesund. Sind eines oder mehrere Doshas erhöht oder vermindert, entsteht eine Dysbalance.

Jeder Mensch besteht immer aus allen drei Doshas. Nur ihre individuelle Mischung (Prakruti) unterscheidet uns. Sind alle drei Doshas im Gleichgewicht, erleben wir Gesundheit. Sind eines oder mehrere Doshas erhöht oder vermindert, entsteht eine Dysbalance (Vikruti).

Eine Kerze macht dieses Zusammenspiel gut sichtbar:

 

– Wachs und Docht bilden die Struktur – Kapha

– Die Flamme steht für Energie und Transformation – Pitta

– Raum und Sauerstoff, die das Brennen ermöglichen – Vata

Sind alle drei in der richtigen Proportion vorhanden, brennt die Kerze ruhig und gleichmäßig.

Zu viel Wachs – die Flamme erlischt.
Zu viel Wind – sie flackert oder geht aus.
Zu viel Feuer – das Wachs verbrennt zu schnell.

So ähnlich verhält es sich auch im Körper. Gesundheit entsteht nicht durch das Überbetonen eines einzelnen Bereichs, sondern durch das ausgewogene Zusammenspiel aller Funktionen.

Das Verständnis der ayurvedischen Konstitutionslehre bildet die Grundlage meiner Arbeit.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass genau dieses Wissen häufig vorschnell vereinfacht wird – etwa in der Frage nach dem eigenen „Dosha-Typ“.

Warum ich meinen Klient:inne ihren Typ nicht vorschnell benenne und weshalb diese Einordnung oft mehr verwirrt als hilft, beschreibe ich im nächsten Artikel.