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WARUM ICH MEINEN KLIENT:INNEN IHREN „AYURVEDA-TYP“ UNGERN VERRATE

WARUM ICH MEINEN KLIENT:INNEN IHREN „AYURVEDA-TYP“ UNGERN VERRATE

Viele meiner Klient:innen kommen früher oder später mit einer ganz konkreten Frage zu mir:

„Welcher Ayurveda-Typ bin ich?“

 

Die Doshas – Vata, Pitta und Kapha – klingen ein wenig wie ayurvedische Sternzeichen, die Orientierung versprechen.

Und tatsächlich: Sich einzuordnen kann Halt geben. Der Wunsch nach einem „Typ“ entspringt meist einem ehrlichen Bedürfnis, sich selbst besser zu verstehen. Genau so ging es mir vor meiner Ausbildung auch.

In meiner Arbeit beobachte ich jedoch immer wieder, dass genau diese Einordnung häufig in etwas mündet, das dem eigentlichen Anliegen entgegensteht:
in starre Regeln, unnötige Selbstoptimierung – und letztlich in mehr Distanz statt Nähe zu den eigenen Bedürfnissen.

Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Unterscheidung zwischen Prakruti (Grundkonstitution) und Vikruti (aktuellem Zustand).

Viele Menschen zeigen im Alltag nicht ihre ursprüngliche Konstitution, sondern einen durch Stress, Ernährung, Lebensstil oder äußere Einflüsse geprägten Zustand. Wird dieser momentane Zustand mit einem festen „Typ“ verwechselt, können Empfehlungen schnell am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen – selbst dann, wenn die Grundkonstitution bekannt ist!

Eine Vata-dominante Konstitution bedeutet zum Beispiel nicht, lebenslang warm essen, früh schlafen gehen und ausschließlich ruhige Sportarten ausüben zu müssen.

Das sind vorübergehende (therapeutische) Maßnahmen bei einer Vata-Dysbalance – keine in Stein gemeißelten Lebensregeln.

Hinzu kommt: Gesundheit und Gleichgewicht sind keine festen Zustände. Sie sind dynamisch und verändern sich kontinuierlich unter inneren und äußeren Einflüssen.

 

Macht dein Körper zum Beispiel eine natürliche Veränderung durch – etwa eine Schwangerschaft, die Wechseljahre oder eine längere Phase hoher Belastung – ändern sich auch deine Bedürfnisse. Was dir früher gutgetan hat, passt möglicherweise nicht mehr.

 

Für mich ist in der Gesundheits-und Ernährungsberatung daher nicht allein entscheidend, wie du grundsätzlich konstituiert bist, sondern vor allem auch, welche Doshas aktuell aus dem Gleichgewicht geraten sind – und warum.

Warum die Einordnung in einen „Ayurveda-Typ“ zu kurz greift

 

1. Zu starke Vereinfachung durch Online-Tests und Marketing

Die ayurvedische Konstitutionslehre wird häufig stark vereinfacht vermittelt: Dosha-Test, Dosha-Tees, Dosha Gewürze.

Als erster Impuls zur Auseinandersetzung mit Ayurveda und der eignen Konstitution können Online-Tests durchaus hilfreich sein.

Problematisch wird es dort, wo Ergebnisse verallgemeinert, nicht kontextualisiert oder als festes Selbstbild übernommen werden.

Die passenden Tees und Gewürze zum Testergebnis zu kaufen kann wohltuend sein, ist aber keine fundierte Anleitung zur deiner Gesunderhaltung.

 

2. Typologien verleiten zu starren Regeln

Wer seinen „Typ“ kennt, beginnt häufig zu googeln:
Was soll ein Vata-Typ essen?
Wie viel Schlaf braucht ein Pitta-Typ?
Was dabei leicht verloren geht:
Es ist vollkommen in Ordnung, den eigenen Neigungen zu folgen – solange es dir gut geht.

Du bist um 21:30 Uhr nicht müde, schläfst sechs Stunden und fühlst dich dabei energievoll und ausgeglichen – auch wenn ein Typen-Test etwas anderes empfiehlt? Dann ist es sinnvoll, bei dir zu bleiben.

Merke: Ausgleich wird erst dann notwendig, wenn eine Dysbalance vorliegt.

 

3. Ein Ayurveda-Typ erklärt nicht deine aktuelle Situation

Du kannst von Natur aus Pitta-dominant sein und gleichzeitig eine ausgeprägte Vata-Dysbalance haben.

In diesem Fall wäre die Aussage „Du bist ein Pitta-Typ“ nicht nur unvollständig, sondern sogar irreführend.

Dich einem der Ayurveda Konstitutionstypen zuzuordnen, kann ein wertvoller erster Schritt zu mehr Selbstverständnis sein. Stark vereinfacht, ohne Kontext und als starres Korsett bewirkt es jedoch genau das Gegenteil.

Deshalb liegt der Fokus meiner Arbeit nicht auf Labels, sondern auf der Schulung deiner Selbstwahrnehmung.

Eine geübte Selbstwahrnehmung ist der wesentlichere Schritt zu Beständigkeit, Selbstwirksamkeit und einem Leben mit, statt gegen deine Natur.

Im Blogartikel „Warum permanente Selbstoptimierung gegen deine Natur arbeitet“ findest du konkrete Fragen, die helfen können, zwischen Selbstoptimierung und gesunder Selbstwahrnehmung zu unterscheiden.